Zur Familie Hadmars III

Die Familie unseres Dichters ist dem alten bayerischen Hochadel  zuzurechnen, dessen Angehörige bis ins 12. Jahrhundert hinein in den Quellen als potentes‚ nobiles, viri illustri, proceres u.ä. bezeichnet werden. In den Zeugenreihen dieser Urkunden sind sie immer deutlich von ebenfalls als Zeugen benannten Angehörigen des Dienstadels, den sogenannten Ministerialen, abgesetzt. Diese nobiles, viri illustri usw. bilden zusammen mit den Herzögen, Bischöfen und Königen die oberste Führungsschicht und werden häufig auch als die "Großen des Landes" bzw. des "Reiches" bezeichnet, die auf die Hoftage der Könige geladen sind.

In Bayern sind dies zum Beispiel:

  • Wittelsbacher Grafen von Andechs,
  • von Ortenburg, von Bogen, von Falkenstein,
  • von Grögling-Hirschberg, von Sulzbach,
  • von Roning, Burggrafen von Regensburg usw.

um nur einige zu nennen.

Allgemein kann man sagen, dass verwandtschaftliche Verbindungen von den Königs- und Herzogsfamilien über die großen bis zu den kleinsten Grafenhäusern durchgehend gängig waren. Insofern zeigte der bayerische Hochadel auch nach dem Zeitpunkt der agnatischen Benennung einzelner Familien nach ihren Sitzen ab etwa Ende des 10. Jahrhunderts bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts durchaus noch kognatische Merkmale. Die Ebenbürtigkeit war das entscheidende Merkmal. Aus diesen großen Dynastiehäusern leiteten sich Nebenlinien ab, die das Grafenamt meist nicht mehr ausübten, und von nachgeborenen Söhnen begründet wurden. Sie wurden aus den Reichslehen ihrer Familien mit entsprechenden Gütern  ausgestattet, die ihren reichsfreien Status beibehielten und im Laufe der Zeit als Allodialgüter der Familie angesehen wurden (zum Beispiel Grafen oder Herren von Abensberg, Altmannstein, Heideck, Velburg, Lupburg, Hohenburg, Prunn-Laaber). So war es auch im Falle der edelfreien Herren von Prunn-Laaber. Während sich die Hauptlinie der Babonen in der dritten Generation in die Linien der Regensburger und Riedenburger Burggrafen und der Landgrafen aufteilt, werden gleichzeitig Nebenlinien dieses Hauses urkundlich greifbar, die sich in die Häuser Prunn-Laaber, Breitenbrunn, Lutzmannstein und Roning aufspalten.

Berthold l. von Prunn, der als ihr Begründer um 1080 fassbar wird, muss sich wohl auf einen der nachgeborenen Söhne Burggraf Babos l. zurückleiten, der aus dessen dritter Ehe mit Mathilde, der Tochter des Grafen Ulrich vom Schweinachgau, hervorgegangen ist. Mathilde hatte einen Bruder namens Bertold, und der Name ihres Vaters, Ulrich, ist während der etwa 400 Jahre, in denen die Familie der Edelfreien von Prunn-Laaber urkundlich belegt ist, auch ein Leitname dieses Familienzweigs gewesen. Hinzu kommen enge Güterverflechtungen der Linie Prunn-Laaber mit dem Besitz der Burggrafen. In einigen Urkunden vertreten Mitglieder des Hauses Prunn-Laaber sogar die Burggrafen in ihrem Amt. In alten Urkunden werden die Herren von Prunn-Laaber als Edelfreie zusammen mit den Grafen vor den anwesenden Ministerialen genannt. In einer Urkunde des frühen 12. Jahrhunderts wird ein Bruder des Burggrafen Otto von Riedenburg genannt, der sich nach den Zeugnissen Hunds und Aventins an anderer Stelle auch nach Laaber benennt. Alle Familienzweige statteten nach diesem Zeugnis um 1120 das Regensburger Schottenkloster mit reichen Dotierungen aus. Aus all diesen urkundlichen Belegen und historiografischen Hinweisen kann man wohl als sicher annehmen, dass sich das Haus Prunn-Laber aus dem Hauptzweig der Regensburg-Riedenburger Burggrafen abgeleitet hat. Im 14. Jahrhundert waren solche Familien, die ihren Ursprung auf die Dynastenhäuser des alten bayerischen Hochadels zurückleiten konnten, nur mehr wenige am Leben. Für das gesamte Herzogtum Bayern sind noch zu nennen (außer den Wittelsbachern) die Grafen von Ortenburg, die Grafen von Hals, die Grafen von Abensberg, die Landgrafen von Leuchtenberg‚ die Grafen von Schaumberg für die Herrschaft Julbach, die Herren von Laaber und die Herren von Heideck.

Anschließend noch eine gekürzte Auflistung des Herrschaftskomplexes der Herren von Laber, um eine Vorstellung von der Macht- und Wirtschaftsbasis dieses Hauses zu haben. Schloss und Stammburg Prunn im Altmühltal wurde 1288 an Herzog Heinrich den Strengen verkauft, die meisten dazugehörigen Dörfer blieben im Familienbesitz. Die Herrschaft Laaber umfasste mit Markt und Schloss Laaber, 20 Dörfern und vielen Gütern in Streulage einen recht ansehnlichen Grundbesitz, der sich im Labertal abwärts bis in den Donaubogen erstreckte. Ortschaften wie Deuerling, Schönhofen, Nittendorf, Heimberg‚ Haugenried oder Bergmatting gehörten dazu. Namen, die nur ungefähr den Umfang des Besitzes andeuten sollen. Auch Weingärten in Winzer und Rheinhausen, Güter in Kneiting und Hofstätten in Regensburg und Ingolstadt gehörten dazu. Daneben besaßen die Herren von Laaber zahlreiche Hoheitsrechte über die eigenen Gebiete hinaus, wie zum Beispiel Hochgericht und Wildbann in der Herrschaft Ehrenfels. Längere Zeit übten sie die Vogtei über Kloster Weltenburg und die Kirchen in Staubing, Gögging und Duggendorf sowie über Teile des Klosters in Pielenhofen aus.
Die Besitzungen in Breitenegg umfassten Schloss Breitenegg, Markt Breitenbrunn, vier Dörfer, Mühlen und ausgedehnte Güter und Waldungen in den Tälern der Altmühl und Weißen Laaber. Schloss und Stammburg Prunn ist hier schon ausgeklammert. Im 14. Jahrhundert kamen noch durch Heirat Güterkomplexe bei Faimingen und lllertissen dazu.

Insgesamt wiesen die Besitzungen eine Fläche auf, die um ein Vielfaches größer war als zum Beispiel das Territorium der Reichsstadt Regensburg. Dieses Gebiet dürfte bereits zur Zeit der Burggrafen vererbliches Allodialgut gewesen sein, inklusive der hoheitlichen Reichslehen wie Hochgerichtsbarkeit, Marktrecht, Wildbann usw. In der Verkaufsurkunde von 1435, in der die freie Reichsherrschaft  Laaber an das niederbayerische Teilherzogtum verkauft wird, ist dies nochmals bestätigt. Neben den Eigengütern und -rechten besaß die Familie noch Lehen anderer Hoheitsträger. So war zum Beispiel Burg und Herrschaft Wolfsegg von 1363 bis 1475 als bayerisches Lehen in ihrem Besitz. Die Bedeutung der Familie ist aus zahlreichen Urkunden vom 11. Jahrhundert an bis 1475 zu ersehen. Als Kronvasallen nahmen sie bereits an den königlichen Hoftagen im Herzogtum Bayern teil, zu denen die "principes et judices terrae majores et minores" berufen waren. Auch auf den Reichstagen der neuen Art sind sie bis ins 15. Jahrhundert als reichsständische Herren in unterschiedlichen Gremien und Funktionen belegt. 1427, zum Beispiel, fungiert Hadmar V. von Laber im Reichsheer, das gegen die Hussiten zieht, als Feldhauptmann, bei dem sich auch das Kontingent der Reichsstadt Regensburg aufzustellen hatte. Häufig sehen wir die Mitglieder der Familie im Gefolge der römischen Könige und Kaiser mit diplomatischen Missionen und Vermittlungen betraut.

Auch in herzoglichen Diensten für das Haus Wittelsbach spielen sie nicht selten eine bedeutende Rolle. ln den benachbarten Reichsstädten Regensburg und Nürnberg fungieren sie im 14. und frühen 15. Jahrhundert immer wieder mehrere Jahre hindurch als Bürgermeister, besonders dann, wenn es größere Streitigkeiten in den Reihen des städtischen Patriziats gab. Aus diesen wenigen Beispielen mag also in etwa die gesellschaftliche und politische Bedeutung ermessen werden, welche die Familie in den ca. 400 Jahren, in denen sie urkundlich erwähnt wird, innehatte. 1475 starb die Familie mit Hadmar Vll., der Domdekan des Erzbistums Salzburg war, im männlichen Stamm aus. Der letzte weibliche Spross, Dorothea, verheiratete sich mit Konrad, Reichsmarschall von Pappenheim.

Autor: Dr. Franz Xaver Scheurer, Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz