Zur Person Hadmars III

Um innerhalb der Generationenfolge der Familie die Person des Dichters herauszufinden, muss versucht werden, über das Werk  selbst Aufschluss zu erreichen. Dabei hat sich kein Geringerer als Johann Andreas Schmeller, der Verfasser des "Bayerischen Wörterbuches", der auch als Begründer der modernen Mundartforschung gelten kann, zuerst Verdienste erworben. Er besorgte 1850 die erste Edition der Jagd auf der Basis von zwölf Handschriften. Er verwies bei seinen Vorarbeiten zur Edition auf die einzige direkte Namensnennung Hadamars von Laber in unmittelbarem Bezug zu dessen Werk, die er in einem 1462 entstandenen gereimten Ehrenbrief des Jacob Pütrich von Reichertshausen ausfindig machte. Schmeller stellt fest, dass es sich bei der Person des Dichters um einen der urkundlich belegten Hadmare von Laber vor dem 15. Jahrhundert handeln muss, da einige Handschriften des Werkes ins 14. Jahrhundert datieren. Weiter engt er den Personenkreis durch eine Stelle aus dem Werk ein, in der von einem "Herzog Ludewig den grîsen von Decke" gesprochen wird. Schmeller erkennt darin das Geschlecht der schwäbischen Titularherzöge von Teck. Er kann unschwer aus dem reichlich vorhandenen Urkundenmaterial herausfinden, dass ein Ludwig von Teckl und ein Hadmar von Laber zur selben Zeit am Hofe Kaiser Ludwigs des Bayern eine Rolle spielten. Damit hat er einen etwaigen Entstehungszeitraum von 1314 bis 1347 eigegrenzt.

An einigen Stellen im Werk weist Schmeller nach, dass Hadamar von Laber zur Zeit der Niederschrift seiner "Jagd" noch ein jüngerer Mann gewesen sein muss. Ansonsten begnügt er sich damit, die Entstehungszeit von Hadmars "Jagd" auf die ersten Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts festlegen zu können.

Für den österreichischen Gymnasialprofessor und Landesschulinspektor Karl Stejskal, der das Werk 1880, 30 Jahre nach Schmelers Erstedition, neu herausgab, war es leicht, auch aufgrund neuerer Forschungsergebnisse zur Geschichte der Herren von Laber, den Entstehungszeitraum des Werkes weiter auf die Zeit zwischen 1335 und 1347 einzugrenzen und in der Geschlechterfolge damit Hadmar lll. als Dichter zu sichern. Auch die neuesten Forschungen zum Geschlecht derer von Laber (Neudegger 1902 und Scheuerer 1980) bestätigen dies. Hadmar lll. von Laber war schon frühzeitig mit seinem Vater, Hadmar ll.‚ und seinem Bruder, Ulrich lV., am Hofe Ludwigs des Baiern in wichtigen Funktionen anzutreffen. Interessant ist in unserem Zusammenhang, dass Ludwig der Baier am  12. Juni 1316 an Hadmar ll. von Laber und dessen Söhne Hadmar und Ulrich das Jagdrecht im ganzen Lande Baiern verlieh. Dies deutet darauf hin, dass die Beschäftigung mit dem Waidwerk eine gute Tradition in der Familie des Dichters hatte. Man kann durchaus annehmen, dass die Jagd als allegorischer Rahmen für Hadmars Dichtung nahegelegen war.

Autor: Dr. Franz Xaver Scheurer, Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz